Pencak Silat

Pencak Silat ist eine unabhängig entwickelte Kampfkunst, deren Ursprünge im indo-malayischen Archipel wurzeln. Außer in den Zentren Indonesien und Malaysia ist Silat auch in Brunei Darussalam, Singapur und den südlichen Philippinen verbreitet. Dort bilden sie einen Teil der Kultur der Völker der malaysischen Rasse.

Von der kulturellen und geographischen Umgebung geprägt, wurde auf den unterschiedlichen Inseln des indo-malayischen Archipels eine Vielfalt von Stil- und Schulrichtungen mit ihren jeweiligen eigenen technischen und philosophischen Besonderheiten entwickelt. Während der Entwicklungszeit der frühen Kampfformen des Pencak Silat, beginnend im 7. Jh. n. Chr., in der sich zunächst die Hindu-Kultur, dann der Buddhismus und letztlich der Islam verbreitete, erfuhr das Pencak Silat neben einer wesentlichen philosophischen und technischen Weiterentwicklung auch seine geographische Verbreitung. Der Einfluss chinesischer und arabischer Kaufleute führte neben der kulturellen Diversität auch zur Vielfältigkeit der zahlreichen Kampfkunstformen des Pencak Silat bei.

Pencak Silat bedeutet kunstvolles Kämpfen, dabei repräsentiert der Begriff Pencak Graziösität, Schönheit, Eleganz bzw. künstlerischer Ausdruck, während der Begriff Silat für Selbstverteidigungstechniken mit Gewichtung auf Ausweichen und Umlenken steht.

Das Pencak Silat beinhaltet nicht nur das Erlernen von Selbstverteidigungstechniken, sondern auch Tanz, Musik, Sport und Meditation. Zudem sind philosophische Verhaltensregeln (Adat), die fest im kulturellen Umfeld verankert sind Gegenstand der Pencak Silat Ausbildung. Somit lässt sich das Pencak Silat in die folgenden 4 Aspekte gliedern:

  1. Selbstverteidigung (Beladiri): effektive Verteidigung gegen einen un-/bewaffneten Angriff
  2. Sportlicher Vergleich (Olah raga): im Vollkontakt- oder Formenwettkampf
  3. Innere Kraft (Tenaga dalam): Entwicklung und Förderung der geistigen Stärke
  4. Kunst und Kultur (Seni budaya): Darbietung von kunstvollen Bewegungen in prachtvoller Kleidung zu traditioneller Musik

 

In Indonesien existieren mehr als 500 Grundarten des Pencak Silat, die größtenteils in einem Dachverband, dem Ikatan Pencak Silat Indonesia (IPSI) eingetragen sind. Diese mannigfaltigen Grundarten des Pencak Silat unterscheiden sich teilweise erheblich voneinander, andere wiederum ähneln sich sehr in Bewegungsrepertoire, Technik und Philosophie, abhängig von dem kulturellen Einfluss, dem sie unterlagen. Die unterschiedlichen Stilrichtungen sind über das gesamte Inselarchipel verbreitet, wobei das Pencak Silat auf Sumatra und West-Java zentraler Bestandteil des alltäglichen Lebens in den Dörfern ist. So werden zu besonderen Anlässen wie Erntefest, Hochzeit oder anderen Festlichkeiten Pencak Silat Demonstrationen aufgeführt.

Einige bekannte Pencak Silat Schulen in Indonesien sind die Stilrichtungen Cimande Panglipur und Bangau Putih aus West-Java, Tapak Suci aus Mittel-Java und Setia Hati Terate, Jokotole sowie Perisai Diri aus Ost-Java. Auch die Ferieninsel Bali hat eigene Stilrichtungen hervorgebracht von denen Bakti Negara am bekanntesten sein dürfte. Zudem sind bekannte Stilrichtungen auf der Insel Sumatra das Silek Tuo und das Silat Pauh.

Die Stilrichtung Panca Indra Suci

Panca Indra Suci bedeutet die fünf heiligen Sinne und ist eine Stilrichtung der indonesischen Kampfkunst Pencak Silat. Diese Stilrichtung wurde in Jakarta zwischen 1952 und 1964 von August Hendrik Tumilaar, einem Angehörigen der Volksgruppe der Minahasa aus Nord-Sulawesi, entwickelt.

 

Im Panca Indra Suci wird ein realistisches und effizientes Selbstverteidigungssystem, unterrichtet. Zudem erfolgt eine Unterweisung in den drei weiteren Aspekten, die das traditionelle Pencak Silat charakterisieren, dem künstlerischen Ausdruck, dem Wettkampfsport und der Entwicklung der inneren Kraft. Ziel von Panca Indra Suci ist neben den Aspekten der Selbstverteidigung und des sportlichen Vergleichs, die Gesundheitsförderung und Charakterbildung. Neben den körperlichen Übungen werden auch Atemübungen zur Stärkung und Kontrolle der internen Energie sowie Meditationsübungen zur Kontrolle der Gedanken und Emotionen gelehrt.

Großmeister

Guru Besar Arief Suryana wurde am 24.April 1950 in Jakarta, Indonesien geboren und begann sein Pencak Silat Training in jungen Jahren bei seinem Großvater. Anschließend vertiefte er sein Wissen bei verschiedenen Meistern unterschiedlicher Stilrichtungen in West-Java. Mit 17 Jahren wurde er schließlich Mitglied der Schulrichtung Panca Indra Suci in Jakarta und wurde letztlich nach dem Tod des Stilbegründers zu seinem Nachfolger und dem jetzigen Wissenshalter. Als erstes Mitglied von Panca Indra Suci wurde Arief Suryana von IPSI zum Nationaltrainer sowie als Punkt- und Schiedsrichter ausgebildet und gehörte der ersten Gruppe ausgebildeter Nationaltrainer an. Vom indonesischen Verband wurde er beauftragt Pencak Silat in Europa bekannt zu machen und zu verbreiten.

So wurde er in seiner Funktion als Nationaltrainer nach Europa geschickt, wo er im Rahmen seines Studiums der Architektur eine AG Pencak Silat einrichtete und anschließend mit seinen ersten Schülern 1976 einen Verein in Aachen gründete. Außerdem war er Mitbegründer der Pencak Silat Union Deutschland (PSUD), dem Dachverband für in Deutschland ansässige Pencak Silat Schulen, sowie des europäischen Pencak Silat Verbands (EPSF). Als Nationaltrainer für Deutschland trainierte und betreute er viele Jahre Kämpfer, die erfolgreich von internationalen Pencak Silat Turnieren zurückkamen.

Ausbildung

Die Schüler von Panca Indra Suci wurden in öffentlichen Trainingsstätten unterrichtet, die Ausbildung der Trainer und Meister erfolgte dagegen auf traditionell indonesische Weise in kleinen Gruppen in der engen Behausung des Stilbegründers. Hier wurde aufgrund des eingeschränkten Platzes der Trainingsstätte besonderer Wert auf Exaktheit und Schnelligkeit der Techniken während der Übungen und des Kampftrainings unter direkter Aufsicht des Großmeisters gelegt. Pencak Silat Panca Indra Suci ist seit 1973 Mitglied des indonesischen Dachverbands für Pencak Silat IPSI (Ikatan Pencak Silat Indonesia) und unterstützte seit Beginn seiner Mitgliedschaft den Verband bei dessen Zielen, u.a. die Einheit des indonesischen Volkes und die Möglichkeit des sportlichen Vergleichs zwischen den verschiedenen Stilrichtungen. Die Panca Indra Suci Schule hatte seit Beginn seiner Aufnahme in die IPSI einen Admiral der Marine (Pak Al Paat) als Schirmherren, so wurde aufgrund dessen und der Effektivität der Techniken Einheiten der Marine im Großraum Jakarta von Meistern der Panca Indra Suci unterrichtet.

Der jetzige Wissenshalter der Schule ist Großmeister Arief Suryana aus Jakarta. Dieser brachte 1974 im Rahmen seines Studiums als Architekt in Aachen Panca Indra Suci nach Deutschland Zurzeit existieren Übungsstätten in Deutschland (Tübingen, Berlin), Belgien (Charleroi) und Indonesien.

Graduierungssystem

Wie in vielen anderen asiatischen Kampfkünsten gibt es auch im Pencak Silat Panca Indra Suci ein Graduierungssystem, um den unterschiedlichen Wissensstand der Mitglieder anzuzeigen. Die unterschiedlichen Farben der Kordeln geben Aufschluss über den Leistungsstand der Mitglieder, sie dokumentieren die Schüler- (Rid-Grad) und Meistergrade (Kar-Grad). Im Panca Indra Suci werden sechs Schülergrade und sechs Meistergrade unterschieden. Mit fortschreitendem Können werden die ausgeübten Techniken komplexer und vielfältiger. Das Kurrikulum jeder Graduierungsstufe wird durch ein Examen abgeprüft. Die Abstände zwischen diesen Prüfungen sind je nach erreichtem Grad unterschiedlich.

Die schwarze Kordel ist für Anfänger, danach folgen Kordeln der Farben braun, blau, grün, rot und gelb. Weiß ist die Meistergraduierung, deren unterschiedliche Stufen anhand der Anzahl der roten Balken, die am Ende der Kordel aufgenäht sind, angezeigt werden.

Während der Ausbildung im Pencak Silat der Stilrichtung Panca Indra Suci werden die Stufen so intensiv durchlaufen, dass einhergehend mit dem Meistergrad die vier Aspekte, die das Pencak Silat charakterisieren, beherrscht werden. Darunter fallen der künstlerische Ausdruck (Seni), die Selbstverteidigung (Bela Diri), der Vollkontakt-Wettkampf (Olah Raga) und die mentale Ausbildung (Tenaga Dalam).

 

Der Weg zu den Meistergraden erfordert vor allem Geduld und Trainingsfleiß.

Bedeutung des Stilabzeichens

 

  • Dreieck: Die Spitzen des Dreiecks stehen für Philosophie, Technik und Inspiration
     
  • Hände: Symbolisieren Freundschaft und Frieden
     
  • Stern: Sinnbild für Inspiration und Verbindung mit Gott
     
  • Kordel, rot: Symbol für die Kämpfer der Panca Indra Suci Schule
     
  • Panca Indra Suci: Fünf heilige Sinne (Name der Schulrichtung)
     
  • Pencak Silat: Stilrichtung der indonesischen Kampfkunst mit ihren Traditionen

Kleidung und Abzeichen

Die traditionelle Kleidung der Stilrichtung Panca Indra Suci besteht aus einer blauen Hose und einer offenen weißen Jacke, mit roten Revers und roter Umrandung der Ärmel, die von einem Gürtel (Kordel) entsprechender Graduierung zusammengehalten wird.

Die Farbe Weiß symbolisiert die mentale Reinheit, Aufrichtigkeit und Offenheit des Herzens des Ausübenden. Die Farbe Rot steht für den Mut des Kämpfers, der für Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und Frieden eintritt. Rot und weiß entsprechen auch den indonesischen Nationalfarben und sind Sinnbild für indonesische Mitglieder die fünf Grundsätze (Pancasila) der nationalen Ideologie und Verfassung der Republik Indonesien einzuhalten. Die blaue Hose symbolisiert die Loyalität der Mitglieder zu den Prinzipien und Zielen der Schule Panca Indra Suci und ist Sinnbild für die Unerschöpflichkeit und Tiefe des Meeres, welches die Vielfältigkeit und den Technikreichtum des Stils beschreibt. Dieser traditionelle Anzug ist heute den Meistern der Panca Indra Suci vorbehalten. Schüler tragen die von IPSI vorgegebene schwarze Pencak Silat Uniform, die zu offiziellen Veranstaltungen wie Vorführungen und Wettkämpfen getragen werden muss.

Das Stil-Abzeichen wird auf der linken Brustseite des Oberteils des entsprechenden Anzugs getragen, während das Verbands-Abzeichen auf der rechten Brustseite aufgenäht ist.